Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf ich hinab, verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Wer mir den Becher kann wieder zeigen, er mag ihn behalten, er ist sein eigen.
Es ist schon kurios. Da werden Caches, die unter oder hinter einem Stein, zwischen den Wurzelausläufern eines Baumes oder auch gewollt frei sichtbar auf dem Erdboden liegen, als „achtlos in den Dreck geworfen“ kritisiert. Wenn dann ein bißchen „Natur“ dran haftet, meckern die Sissicacher zwar rum – aber ignorieren geht bei denen auch nicht, weil die Punktegeilheit am Ende doch gewinnt.
Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Es ist sicher ein gutes Gefühl, wenn man sein Konto (das bei der Bank natürlich auch) wachsen sieht. Fast nur für diesen Zweck sind ja auch einige unserer Caches gemacht, denn diese sollen schnell gefunden werden, einige sogar mit P+L.
Also: loggen und nicht rummeckern – oder einfach seinlassen und trotzdem meckern. Wer aber stur immer wieder behauptet, daß ein neuer weißer Sack, der mit Tarnfarbe besprüht wurde, verschimmelt sei, sollte künftig die Finger von derartigen Dingen lassen.
Beim Einsammeln von archivierten Caches haben wir jedenfalls ein seltsames Objekt im Wald gefunden. Und das brachte uns auf eine Geschichte, die erstaunlich gut zu diesem Fund paßt und sich zu einem Mystery weiterspinnen ließ.
Die Sache mit dem Dingsbums
Vor langer Zeit forderte der Kurfürst von Sachsen seine Gefolgsleute heraus:
Er stand am Ratehaken und hielt ein glitzerndes Dingsdabumsda in der Hand. Er hielt es hoch, schwenkte das wertvolle Stück hin und her wie ein Maktschreier, der die letzte Bratwurst noch loswerden will und rief: "Wer mir das Ding kann wieder zeigen, er mag es behalten, es ist sein eigen."
Die Hofdamen reckten die Hälse wie die Gänse beim Gewitter und ihre Augen richteten sich sich gierig nach dem Prunkstück. Dann sah eine jede nach ihrem Kavalier, die aber taten so, als hätten sie plötzlich ganz wichtige Termine irgendwo anders. Niemand wollte in die fischige Enten-Kack-Brühe steigen, die unter den Höflingen liebevoll „Schloßteich“ genannt wurde.
Ein junger Mann, einer der Hofgärtner, der gerade die Blumen auf den Fenstersimsen der dortigen Lusthäuschen goß, wagte den Abstieg in die Tiefe. Er überwand den Ekel, kämpfte gegen die Sichtbehinderung in der Tunke und wühlte solange im Schmodder herum, bis er das Ding endlich hatte. So kam er, das Dingsbums triumphierend mit der Hand schwenkend wieder hoch. Er roch dabei wie ein nasser Hund, der in einem Fischladen eingeschlafen ist, aber das tat der Sache keinen Abbruch. Nun trat er damit vor August. Die Hofgesellschaft bildete dazu eine überbreite Gasse weil er so eklig aussah und so bestialisch stank. Er zeigte das Ding seinem Fürsten vor und wurde somit dessen rechtmäßiger Eigentümer.
August war zwar beeindruckt, aber auch gierig. Und gelangweilt. Eine gefährliche Mischung. Er wollte noch mehr Spektakel.
Er riß dem Jüngling das Ding aus der Hand und warf es ein zweites Mal in die Brühe, zog sich den verdreckten Seidenhandschuh ab und ließ ihn in den Teich fallen. Ihm war es dabei völlig egal, daß er sich jetzt an fremdem Eigentum vergriffen hatte, denn jetzt gehörte es ja schon dem Gärtner. Dem war das aber nicht ganz klar, weshalb er erneut hinabstieg. Doch diesmal kehrte er nicht zurück. Der Teichfischer barg später seine Leiche.
Nun trat der Erbfall ein, denn der Verunglückte war nicht allein. Seine Erben wollten Schadenersatz und Gerechtigkeit – doch sie mußten bald feststellen, daß ein sächsischer Kurfürst überhaupt nicht vor Gericht gestellt werden konnte.
Der Landesherr war oberster Richter seines Landes und damit selbst keiner Gerichtsbarkeit unterworfen. Ein Prozess gegen ihn war schlicht unmöglich.
Die Erben zogen dennoch durch die Lande, erzählten ihre Geschichte, suchten Verbündete und machten aus ihrem Zorn ein politisches Thema. Rivalisierende Fürsten griffen die Erzählung dankbar auf. Sie witterten ihre Chance und mischten sich ein. Aus dem Streit entwickelte sich schließlich ein Konflikt, der später als Dingsbumskrieg bekannt wurde – ein Krieg, der mit einem einzigen Metallteil begann und sich zu einem politischen Flächenbrand ausweitete.
Chronisten schrieben später: "Nie zuvor hat ein so kleiner Gegenstand so große Unruhe gestiftet."
Und was hat das mit dem Cache zu tun?
Nun – beim Einsammeln archivierter Dosen fanden wir im Wald das oben genannte Objekt: Es handelt sich um ... ... ...
(Hier haben wir den Text aus dem 1. Entwurf entfernt um die Neugier zu steigern.)
Vielleicht war es einst ein Ort, an dem Beweisstücke versteckt wurden. Vielleicht ein geheimer Ablageplatz der Erben. Ein toter Briefkasten der Konspiration? Vielleicht auch nur ein Relikt aus einer Zeit, in der man Dinge nicht „achtlos in den Dreck warf“, sondern ordentlich versenkte.
Wie auch immer: Eure Aufgabe ist es, dieses Ding zu finden.
Doch bevor ihr euch auf den Weg macht, müßt ihr natürlich erst die Koordinaten herausfinden, denn an der Schloßteichbrücke kann es ja nicht sein, weil diese Stelle vom Aschenbrödelcache 1 besetzt ist.
Die Eltern des weltbekannten Dichters, dessen Gedanken in einer Ballade ich hier weiterspann, hatten diese Vornamen:
Vater: A B C D E F G H I J K L Mutter: M N O P Q R S T U V W X Y Z * * * *
Macht aus den Buchstabenwerten (A=1) einstellige Quersummen. So findet Ihr mit dieser Formel
N 51 (T-V)(D-Q).(M+A)(L-X)(Z+G) E 013 (H+N)(B-F).(E-S)(Y-J)(U-W)
das nicht ganz ungefährliche Gebilde. Geht nicht bei Dunkelheit hin, denn das hatte schon einmal fast zu einem Beinbruch geführt.
Denkt an den Gärtner, überwindet den Ekel und holt das Ding ans Licht. Hier könnt Ihr Euch in das Logbüchlein einschreiben. Eine Flasche Spülwasser, Desinfektionsspray und Einmalhandschuhe sind nützlich.
Wer dazu noch einen Bonus einheimsen will, sollte dort weiterlesen.
Ergänzung vom 05.03.26:
Falls der Checker nicht ergrünt, nehmt die Namen aus der Wikipedia.
Bitte keinerlei Fotos und genauere Hinweise zum "Tatort".